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Die Sage von der Belagerung von Neu-Windstein

Die Belagerung von Neu-Windstein

“In den Fünfziger Jahren des 16ten Jahrhunderts wurde Ritter Kuno Eckbrecht von Dürkheim in eine Fehde verwickelt, in welcher seine beiden Schlösser Windstein und die Schöneck zu gleicher Zeit angegriffen wurden. Er selbst zog sich in die letztere, eine Stunde nordwestlich von jener gelegene Burg zurück.

Da er sich nun eines Abends auf dem obersten Söller ergieng, sah er zwei Ritter in alten Rüstungen in`s Schloß treten. Er glaubte nicht anders, als man habe ihnen aus Verrath das Thor geöffnet, und wollte ihnen entgegenstürzen. Allein da standen die beide schon vor ihm und Einer derselben sagte zu ihm:  ”Mein Sohn, eile mit Hülfe nach Windstein, morgen ist es zu spät!”. Kuno erschrak darob heftig und folgte den Rittern, welche vor ihm vom Söller niederstiegen und in einem der untern Säle verschwanden. Schnell setzte er sich zu Pferde und zog an der Spitze seiner Kriegsleute vor die Veste Neu-Windstein, die schon hart bedrängt war, und trieb die belagernden Feinde in die Flucht. Noch jetzt soll man zuweilen jene beiden Ritter langsamen Schrittes um die Burg wandeln sehen. Das Volk sagt, sie hüten bedeutende Schätze, welche daselbst vergraben sind.”

Aus “Sagen des Elsasses” von August Stöber, Verlag Zeitlin und Zollikofer, 1852